Geliebtes Kind Motzibacke

Wochenbett: Zu dritt und glücklich?

In diesem Artikel blogge ich darüber, wie unser Leben zu dritt begann und über ein alles andere, als leichtes Wochenbett.

Während unserem entspannten und wohlverdienten Urlaub auf Rügen merkte ich schon, dass etwas anders war. Mir wollte der, von unserer Gastmutter spendierte, Weißwein so gar nicht richtig schmecken. Und das mir! Die einem Drink unter Freunden nie abgeneigt ist.Dazu kam ein merkwürdiges Gefühl das etwas anders ist. Wurde ich etwa krank? Wir hatten schon Ende September, die Temperaturen waren frisch und wie es sich für ordentliches Inselwetter gehört wehte ein starker Wind… Oder sollte es endlich geklappt haben und ich war schwanger? Am ersten Morgen wieder daheim beantwortete der Schwangerschaftstest meine Frage eindeutig. POSITIV! Freudestrahlend lief ich zu meinem geliebten Einen. Wir bekommen ein Baby! Seine Antwort war etwas anders als erwartet, denn er sagte nur trocken…Wirklich? Aber die Reaktion hat Gründe die ich euch in

einem anderen Artikel erzählen möchte, denn dies war nicht mein erster positiver Schwangerschaftstest. Aber als ich ihm den Test unter die Nase hielt und er das Ergebnis realisierte, freute auch er sich riesig. So oder ähnlich wird es bei vielen anderen (Bald-) Eltern auch abgelaufen sein. Und was kam dann?Ultraschallbild

Mal ehrlich, während der Schwangerschaft läuft man doch irgendwie mit einer rosaroten Brille herum. Die Hormone spülen einen derart weich, dass nur positives in Bezug auf das ungeborene Leben im Bauch bestand hat. Natürlich ging es auch mir nicht anders.Ich stellte mir vor wie er wohl Aussehen würde, welches Wesen er hat…er schläft brav, schreit nie, trinkt sofort wie ein Profi an der Brust und ist nur ein Sonnenschein, kurzum wie wundervoll alles mit ihm sein wird. Jede Mutter wird an dieser Stelle wissend schmunzeln, denn die Realität ist natürlich eine andere und nach über 9 Monaten traf mich diese mit voller Wucht als nach einer 12h-Geburt das kleine Wesen mit zerknautschtem Gesicht auf meiner Brust landete. Eigentlich sollte ich in diesem Moment tiefes Glück erfahren, so hatte ich es zumindest in Geburtsberichten gelesen. Doch ich schaute mein Kind nur geschockt an…oh okay, hallo du! Ich weiß nicht wie es weitergegangen wäre, wenn er auf meiner Brust verblieben wäre, vielleicht hätte sich das Glücksgefühl noch eingestellt…wer weiß! Allerdings ging das dank Dammriss 3.Grades und einer Blutung nicht. Ich musste in den OP! Über meine und Motzibackes Geburt gibt es einen gesonderten Artikel, Wie Schmatzipuffer-Motzibacke das Licht der Welt erblickte.

Wochenbett: Die ersten Tage im Krankenhaus

Das Wochenbett startete bei uns auch mehr als holprig. Ich hatte mir das Stillen so schön vorgestellt und zahllose Veröffentlichungen und Erfahrungsberichte dazu gelesen. Und so fühlte ich mich vor Schmatzipuffer’s Geburt wirklich gut vorbereitet und war der Meinung, das wird ein Klacks. Nun ja … auch hier war die Realität eine andere. Er war beim Trinken kein Naturtalent und ich konnte mich, dank dem Dammriss nicht bewegen. Es fiel mir mehr als schwer eine geeignete Position zum Stillen zu finden und vor allem diese auch einzunehmen. Und Schmatzipuffer schien zwar intensiv an meiner Brustwarze zu nuckeln, aber er bekam den Dreh einfach nicht raus wie er andocken und saugen musste um an die Milch zukommen. Dazu kam, dass meine Brustwarzen wohl zu klein und flach geformt waren, sodass mir die Schwestern auf der Wochenbettstation sofort ein Stillhütchen aufschwatzten. Verzweifelt wie ich war, nahm ich es an. Er trank auch damit nicht. Und für mich fühlte es sich wie eine Niederlage an ein Stillhütchen benutzen zu müssen.

StillenIch verbrachte die nächsten beiden Tage und Nächte damit Schmatzipuffer in den unterschiedlichsten Positionen anzulegen. Zum Glück war mein geliebter Einer die erste Nacht und den darauf folgenden Tag bei mir im Krankenhaus. Durch den hohen Blutverlust war mein Kreislauf so ramponiert, dass ich nicht eine Sekunde aufstehen konnte. Ich durfte leider auch mit einer Bettpfanne Bekanntschaft machen, diese Erfahrung muss ich bestimmt nicht wiederholen. Bei meinen endlosen Stillversuchen, riss ich mir wahnsinnig oft den Zugang für das Antibiotikum aus dem Arm. Die Schwestern waren irre genervt und mir war das egal. Verdammt nochmal es musste doch irgendwie klappen. Ich gab nicht auf. Ich wollte unbedingt stillen. Das schlimmste war die Unsicherheit. … Ist meine Milch schon eingeschossen?… Hat er nun was getrunken, oder saugt er nur das pure nichts? Die Gewichtskontrolle beruhigte mich dahingehend etwas, denn er nahm die ersten beiden Tage völlig im Rahmen ab. Mein Dauerstillen, mit verdammten Stillhütchen, schien also was zu bringen. Am letzten Tag im Krankenhaus sah eine Schwester meinen verzweifelten Still-Kampf und empfahl mir ein paar Tropfen Zuckerlösung auf die Brustwarze zu tropfen um ihn beim Ansaugen der Brustwarze zu helfen. Scheinbar musste Schmatzipuffer nur der richtige Weg gezeigt werden, denn nach einem Tropfen legte er los wie ein Profi und ab da funktionierte auch bei uns endlich das Stillen.

 

Wochenbett: Endlich Zuhause

Nachdem ich Zuhause das Gefühl hatte das Schmatzipuffer das Andocken und Trinken nicht urplötzlich wieder verlernt, machte ich mich ans Werk ohne Stillhütchen zu stillen. Mit Hilfe meiner lieben Hebamme, die mich im Wochenbett unterstützte, klappte es gleich beim ersten Mal und nach einigen Versuchen schaffte ich es auch alleine und war das blöde Ding endlich los. Dieses kleine Erfolgserlebnis ist für mich wahnsinnig wichtig gewesen. Es gab mir neue Kraft um trotz Schmerzen und fehlendem Glücksgefühl weiter zu machen. Und vor allem verging damit auch ein kleines Stück die Unsicherheit, die sich vor mir wie ein  riesiger Berg aufgebaut hatte. Eine Hürde genommen kam auch schon die nächste.

Anfangs war Schmatzipuffer wohl sehr erschöpft von der Geburt und seinem neuen Dasein auf der Erde, er schlief die ersten Tage viel und überall. Nach drei, vier Tagen änderte sich das. Er wollte dann nur noch bei mir schlafen, entweder auf mir oder an mir…so oder so war ich ab da für Stunden an Bett, Sessel oder Sofa gefesselt, denn Ablegen war nicht drin. Die Bezeichnung Wochenbett kommt also nicht irgendwo her. Es war klar so konnte das Wochenbett und die nächsten Monate nicht laufen. Ich kam nicht zum Essen, trinken oder auf Toilette gehen. Da mein Kind schreien zu lassen für mich als Alternative nicht in Frage kam, war schnell klar…Schmatzipuffer musste überall hin mit und das so, dass er nicht aufwachte und ich die Hände frei hatte. Ihr könnt euch die Lösung vielleicht schon denken…ein Tragetuch. Es vereinfachte mir die ersten Wochen sehr. Allerdings kamen zu meinen Schmerzen am Damm nun auch welche in Beinen, Füßen und im Rücken hinzu. Da meine geliebte Motzibacke schwer mit Blähungen zu kämpfen hatte und das Tragen ihm dahingehend Erleichterung verschaffte, habe ich ihn am Tag stundenlang getragen. Meinem kleinen Frischluft – Fanatiker taten die Spaziergänge sehr gut und ich bin mehr als froh gewesen, dass er ein Sommerkind geworden ist.

Baby tragenObwohl wir zwei immer aneinander hangen hatte ich trotzdem noch Schwierigkeiten ihn als mein Kind zu lieben und die Veränderungen in meinem Leben zu akzeptieren. Ich möchte nicht, dass Ihr mich falsch versteht, ich habe alles dafür getan damit es diesem kleinen Wesen gut ging, aber ich empfand am Anfang keine Liebe, wenn ich ihn ansah. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich wusste er ist mein Sohn, er war fast 10 Monate in meinem Bauch, aber es fiel mir sehr schwer ihn nicht als Fremdkörper in meinem Leben zu sehen. Mir haben diese Gefühle gegenüber meinem eigenen Kind sehr zu schaffen gemacht, ich fühlte mich dadurch wie eine schlechte Mutter und hatte ständig das Gefühl zu versagen. Dazu kam das ich nicht in der Lage war darüber zu reden. Ich bin meiner Hebamme heute sehr dankbar dafür, dass sie merkte, dass es mir nicht gutging und dann für mich da war ohne von mir zu verlangen darüber zu sprechen. Ich hätte es nicht gekonnt. Ich war immer ein sehr ehrgeiziger Mensch, mit starkem Hang zum Perfektionismus. Ich musste erst lernen das mit Baby nicht alles perfekt oder gar planbar läuft. Und vor allem musste ich lernen, dass ich nicht versage, nur weil nicht alles zu 100% läuft. Ein Baby ist ein kleines Individuum, keines gleicht dem anderen, jedes hat seine Eigenheiten und auch Mami muss diese erst kennenlernen. Und das macht Mami nicht weniger perfekt oder zu einer Versagerin. Was mir besonders zu schaffen machte war, dass Schmatzipuffer so viel schrie. Wie schon gesagt, hatte er einerseits starke Blähungen (worüber ich demnächst noch gesondert schreiben werde) und auf der anderen Seite schien ihn die große neue Welt sehr zu überfordern. Die über den Tag aufgestaute Anspannung, Erregung und Überforderung ließ er jeden Abend heraus…er schrie ganz furchtbar. Wir kamen damit am Anfang überhaupt nicht klar…es musste doch eine Lösung geben! Wie konnten wir Schmatzipuffer helfen? An mir nagte schon wieder der Selbstzweifel. War ich so eine schlechte Mutter? Kein im Armhalten, Schaukeln, singen half…nicht mal der Nuckel konnte es richten. Die Lösung war für uns letztlich gar nicht so schwer, denn wir hatten einfach nicht das richtige Verständnis für das Geschrei eines Neugeborenen. Als mir klar wurde, dass es nur seine Art zu kommunizieren ist ohne das er damit gleich etwas Negatives ausdrücken wollte, wurde es ein Stück weit einfacher und ich konnte Schmatzipuffer besser verstehen. Wenn wir einen anstrengenden, schlimmen oder frustrierenden Tag hatten sprechen wir mit unserem Partner doch auch darüber und suchen bei ihm Trost, Nähe und Verständnis. Nichts Anderes wollte Schmatzipuffer. Er wollte den Frust rauslassen und dabei Halt und Zuspruch bekommen. Also hielten wir ihn während er schrie fest im Arm und sagten ihm das wir ihn verstehen, immer für ihn da sind und er bei uns alles rauslassen kann. Wir vermittelten ihm die dringend benötigte Ruhe. Diese abendliche Schreiphase hielten über das gesamte Wochenbett an. Aber statt einer Stunde schrie er dann Anfangs nur noch eine viertel Stunde bis es immer weniger wurde und schließlich ganz aufhörte. Manchmal half ihm auch ein abendlicher Spaziergang im Tuch, in dem er einschlief, sodass er nicht schreien musste. So oder so, was er brauchte war Nähe, Wärme, Sicherheit und Halt.

Und eines schönen Morgens, kurz vor Weihnachten, war es auch für mich soweit. Ich schaute mein Kind an und empfand das pure und reine Glück. Es war das schönste was ich in meinem bisherigen Leben gespürt habe. Und genau in diesem Moment war es überhaupt nicht schlimm das er nicht alleine einschlafen kann, in einigen Zeiten Flatrate-motzt, ständig getragen werden möchte oder was mir sonst seit seiner Geburt alles aufs Gemüt schlägt. In diesem Augenblick war die Welt mehr als in Ordnung und ich hatte endlich auch, fast ein halbes Jahr nach der Geburt, meinen Glücksmoment mit meiner geliebten Motzibacke…

Bis bald, Eure

Kathi

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