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Blähungen und Bauchkrämpfe – Teil 1

Blähungen und Bauchkrämpfe – Zusammenhang mit Kaiserschnitt und der Gabe von Antibiotika!

„Sind schmerzhafte Blähungen in den ersten Lebensmonaten

wirklich ein natürliches Phänomen oder sind sie viel mehr

Ausdruck unseres medizinischen Fortschrittes?“

Blähungen und Bauchkrämpfe – Ein Erfahrungsbericht

Seit der Geburt von Schmatzipuffer beschäftigt mich diese Frage und lässt mich nicht mehr los.
Schmatzipuffer hatte die ersten vier Monate mit gemeinen Blähungen zu kämpfen. Sie waren mehr als störend und für ihn sehr schmerzhaft. Er hatte dadurch große Schwierigkeiten Ein- und Durchzuschlafen. Er konnte nicht entspannt Liegen. Sein Körper stand durch die schmerzhaften Blähungen immer unter Spannung. Er war sehr oft steif wie ein Brett, wenn ich ihn hochnahm. Und natürlich trinkt man mit Bauchweh auch nicht gerne an der Brust. Er überspannte sich ständig, verlor dabei die Brust und weinte viel beim Trinken. Durch die Blähungen und Bauchkrämpfe schrie er die ersten Monate sehr viel.

Ich hatte eine natürliche Geburt, allerdings musste ich auf Grund eines Dammriss 3. Grades, die ersten anderthalb Wochen Antibiotika nehmen. Es waren zwei unterschiedliche Antibiotika. Die ersten drei Tage wurden sie mir intravenös verabreicht und Zuhause nahm ich sie in Form von Tabletten. Schmatzipuffer bekam also kaum auf der Welt, erstmal die volle Antibiotika-Dröhnung über die Muttermilch mit. Wenn ich ihm über die spontane Geburt gute und von der Natur gewollte Bakterien mitgegeben habe hatten diese dadurch allesamt das zeitliche gesegnet. Während der Schwangerschaft hatte ich aus Sorge um mein Kind keine Antibiotika genommen. Aber die Geburt und alles Neue haben mich so überfordert, dass ich mich im Krankenhaus mit der lapidaren Antwort, „Dieses Antibiotikum tut ihrem Kind nix, es geht nicht in die Muttermilch über“, habe abspeisen lassen. Jetzt ärgere ich mich darüber, nicht stärker nachgehakt zu haben. Den Schmatzipuffer musste meine Nachlässigkeit leider ausbaden.

 

„Und was ist mit nicht spontan gebärenden Müttern

auch ihnen wird doch quasi die Chance genommen ihrem

Baby alles mitzugeben was die Natur so eingeplant hat?!“

„Sind also die so oft auftretenden Blähungen bei

Neugeborenen Ausdruck der verstärkten Gabe von

Antibiotika nach der Geburt und der wachsenden

Zahl an Kaiserschnitten?“

Blähungen und Bauchkrämpfe – Zusammenhang mit Kaiserschnitten

Es sind sich soweit alle einig, dass die Blähungen bei Neugeborenen als Grund ein noch nicht ausgereiftes Verdauungssystem haben. Also steht indirekt fest das, das Fehlen von bestimmten Bakterien Blähungen und Bauchkrämpfe verursacht.

In einer Studie von Forschern, um M.G.Dominguez-Bello (2010) konnte gezeigt werden, dass sich die Bakterien Flora von Kaiserschnitt-Babys deutlich von den Babys unterscheidet die spontan geboren wurden. Das Forscherteam konnte in ihrem Paper sehr schön darstellen, dass Babys die auf natürlichem Wege geboren wurden eine vom Geburtskanal der Mutter geprägte Bakterien Flora, in der vorrangig Laktobazillen vorherrschen besitzen. Während bei Kaiserschnitt-Babys eher Bakterien vom Stamm Staphylococcus die Darmflora bildeten. Da die Laktobazillen für eine gute Verdauung sorgen haben wir hier also schon eine mögliche Ursache für Verdauungsprobleme, Blähungen und Bauchkrämpfe bei Neugeborenen gefunden.

 

Blähungen und Bauchkrämpfe – Zusammenhang mit Antibiotika

Und wie ist das nun, wenn die Verdauungsfördernden Bakterien durch die Geburt mitgegeben werden, aber ein Antibiotikum direkt dem Neugeborenen oder der stillenden Mutter verabreicht wird?

Arzneistoffe (Beispiele) gemessene Milchkonzentration (%) beobachtete Folgen, Anmerkung(en)
Penicillin, Amoxicillin ± Präparate der 1. Wahl
Betalactamasehemmer < 1
Oralcephalosporine: < 1
Cefuroxim, Cefalexin
Sulbactam
Erythromycin < 2 keine spezifischen Unverträglichkeiten, Vorsicht bei bestehendem Ikterus
Azithromycin 5 1. Wahl: Erythro-, Roxithromycin
Clarithromycin 2,7 2. Wahl: Azithro-, Clarithro-, Josamycin
Roxithromycin < 0,05
Josamycin
Doxycyclin, Minocyclin 3 bis 4 Gelbfärbung der Zähne nicht zu erwarten; eher Reserve (2. Wahl)
Nitrofurantoin 10 (2,5) nur, wenn effektivere und risikoärmere antibakterielle Wirkstoffe nicht
einsetzbar sind (4), wenig bedenklich bei Säuglingen ab vier Wochen
Cotrimoxazol 2 nur indikationsgerecht (z. B. HWI) einsetzen
Trimethoprim 4 bis 5,5
Ciprofloxacin 2 bis 7 Ciprofloxacin am besten erprobt, alle anderen nur in Notfall einsetzen,
Moxifloxacin < 15 Abstillen nicht erforderlich
Norfloxacin, Ofloxacin ? für Norfloxacin und Ofloxacin keine Analysendaten verfügbar
Clindamycin 6 in der Stillzeit vermeiden
Metronidazol 12 bis 20 oral günstiger als topisch; abends nach letzter Stillung
Ethambutol 1,5 Antituberkulotika der 1. Wahl
Isoniazid 20
Pyrazinamid < 1
Rifampicin < 5
Tabelle 1: Übertritt von Antibiotika in die Muttermilch, http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33303

 

Die Tabelle 1 zeigt die Konzentration der unterschiedlichen Antibiotika in der Muttermilch. Selbst beim Präparate der ersten Wahl ist in der Muttermilch 1% der eingenommenen Menge des Antibiotikums enthalten. Je öfter das Kind gestillt wird (da das neugeborene Kind am Anfang sehr oft anlegt, also sehr häufig) desto größere Mengen des Antibiotikums gehen auf den Organismus des Neugeborenen über. Natürlich sind das keine Mengen die für das Neugeborene toxisch sind, aber um die kleine Menge an Bakterien, die es durch die Mutter bei der Geburt mitbekommen hat zu zerstören reicht es sicherlich. Insbesondere wenn ein Antibiotikum eingenommen wird, das zu einem höheren Anteil in die Muttermilch übergeht, z.B Metronidazol. Muss das Neugeborene und nicht die Mutter mit Antibiotika behandelt werden sind die Folgen für die junge Darmflora natürlich noch gravierender. Muttermilch ist eines der am leichtesten zu verdauenden Nahrungsmittel, aber auch um diese ohne Probleme verarbeiten zu können braucht der Darm des Neugeborenen die mit der Geburt aufgenommenen Laktobazillen. Ansonsten können Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall die Folge sein.

 

Natürlich muss immer genau überlegt werden ob der Nutzen die Nebenwirkungen rechtfertigt. Sowohl ein Kaiserschnitt, als auch die Gabe von Antibiotika sind oftmals nicht zu verhindern und vor allem Lebensrettend. Bei meinem Dammriss 3.Grades wäre es ohne Antibiotika vermutlich zu einer schweren Entzündung der Wunde gekommen. So war es während der ersten zwei Wochen meines Wochenbettes nicht möglich darauf zu verzichten.

 

„Warum konnte mich damals kein Arzt darauf hinweisen,

dass ich damit mit großer Wahrscheinlichkeit die zarte

Darmflora meines Sohnes zerstören und er dadurch mit

großer Wahrscheinlichkeit mit Blähungen und Bauchkrämpfen

zu kämpfen haben wird?“  „Warum gibt es als

Anschlussbehandlung nicht eine Aufbaukur für den Darm des

Neugeborenen und der Mutter?“

 

Blähungen und Bauchkrämpfe – Laktobazillen über die Muttermilch

Normalerweise bekommt das Neugeborene die Laktobazillen auch über die Muttermilch mitgeliefert (Zentrum der Gesundheit, 2016). Das Defizit an Laktobazillen, welches durch einen Kaiserschnitt oder Antibiotika entstanden ist würde so innerhalb einiger Monate ausgeglichen, vielleicht prägte sich deshalb auch der Begriff Drei-Monats-Koliken auf die Symptomatik, Blähung und Bauchkrämpfe bei Neugeborenen. In einigen Fällen ist die Darmflora der Mutter jedoch so gestört, dass sie selber nicht über genügend Laktobazillen verfügt, die sie über die Muttermilch weitergeben könnte. Die Gründe hierfür sind Vielfältig, falsche Ernährung, Einnahme von Medikamenten die die Darmflora angreifen, z.B. Antibiotika oder auch Erkrankungen des Darms kommen unter anderem in Fragen.

Bei mir hatte die intensive Behandlung mit Antibiotika vermutlich dazu geführt, dass ich die Laktobazillen nicht in ausreichender Menge an meinen Sohn weitergeben konnte.

 

Blähungen und Bauchkrämpfe – Können Probiotika helfen?

Ich wünschte, ich hätte dies alles direkt nach der Geburt gewusst, ich hätte meinem Kind viele Schmerzen und leid ersparen können. Mir wurde von einer Mit-Mutti geraten bei meinem Kind probiotische Tropfen anzuwenden. Damals war Schmatzipuffer fast vier Monate und hatte sich schon lange gequält. Das Probiotikum „Mutaflor“ hat bei ihm sehr gut angeschlagen. Seine Blähungen und Bauchkrämpfe waren nach der Kur weitesgehend verschwunden. Er reagierte nur noch mit Blähungen und Bauchkrämpfen, wenn ich Milchprodukte zu mir nahm. Der Grund dafür war, dass fehlen von Laktobazillen im Mutaflor. Diese sind zwingend im Darm notwendig um Milcheiweiß aufspalten zu können. Im Mutaflor Ist der Wirkstoff Escherichia coli Stamm Nissle 1917 verantwortlich für den Aufbau der Darmflora. Direkt nach einer Geburt mit Kaiserschnitt oder einer anschließenden Antibiotika Behandlung empfiehlt es sich daher ein Probiotikum zu nutzen das die zerstörten, oder nicht mitgelieferten Laktobazillen wieder zuführt. Bei einigen meiner Mit-Muttis haben Bigaia Tropfen sehr gut geholfen. Dieses Probiotikum enthält den Stamm Lactobacillus reuteri Protectis. Bei meinem Sohn habe ich eine Darmflora Sanierung mit Symbiolact durchgeführt, welches mehrere Laktobazillen-Stämme enthält (L. paracasei, L. acidophilus, Lc. Lactis und B. lactis). In Teil 3 dieser Artikel- Serie berichte ich über die Behandlung und was sie gebracht hat.

 

Für mich ist es keines Wegs „normal“, dass ein Neugeborenes unter Blähungen und Bauchkrämpfen leidet, sondern vielmehr ist dies der Ausdruck einer fehlerhaften und nicht gesunden Darmflora.
Wie war das bei Euch, habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder verlief bei Euch trotz Kaiserschnitt und Antibiotika Einnahme alles gut?

 

Bis bald, Eure

Kathi

 

Ausblick:

Teil 2: Im Teil 2 werde ich Euch berichten was bei uns gegen Blähungen und Bauchkrämpfe geholfen hat und wie wir Schmatzipuffer so gut es ging Linderung verschaffen konnten.

Teil 3: Darmsanierung mit Simbiolact, wie verlief die Kur und was hat sie gebracht.

 

 

Referenzen:

[2010] M.G. Dominguez-Bello et al. “Delivery mode shapes the acquisition and structure of the initial microbiota across multiple body habitats in newborns”

 

[2010] Egid Strehl, Heidegun Blümle, Heidrun Reckzeh, Antibiotika nur gezielt einsetzen, Pharmazeutische Zeitung Online,

 

[2016] Zentrum der Gesundheit, „Probiotika für den Babydarm“, http://www.zentrum-der-gesundheit.de/probiotika-baby-ia.html, Stand: 22.03.2016

 

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