Geliebtes Kind Motzibacke

Wenn das Kind selbstbestimmt wachsen darf | Willkommen in einer ganz besonderen Hölle

Selbstbestimmt, ein so positives Wort, voller Hoffnung und Kraft und das komplette Gegenteil von dem, was ICH in den letzten Wochen erfahren durfte.

Wir haben uns bei Schmatzipuffer für einen Weg des Elternseins entschieden, der uns viel abverlangt, der MIR viel abverlangt. Dabei habe ich mich selbst verloren! Jeden Tag verschwand ein weiteres Stück von mir, bis hin zur kompletten Selbstaufgabe. Ich existiere gerade nur für Schmatzipuffer, bin keine eigene Person mehr, meine Wünsche und Träume sind verschwunden.

Ab einem gewissen Punkt kollidierte mein Selbst, mit der Bindungs- und Bedürfnisorientierten Elternschaft und dem Wunsch, dass Schmatzipuffer selbstbestimmt leben darf.

Über seine Selbstbestimmung, ging mein Selbst verloren, ich konnte nicht mehr selbstbestimmt Leben und so fand ich mich eines morgens in einer ganz besonderen Hölle wieder…

Wenn das Kind selbstbestimmt wachsen darf | Der Weg in die selbstbestimmte Hölle

Schmatzipuffer zahnte bereits seit Wochen und vermutlich ist er auch in einem Schub, er ist momentan so viel mehr als nur anhänglich…
Ich darf ihn nicht eine Sekunde in einem Raum alleine lassen, sonst wird gebrüllt. Ist eine Schranktür zwischen uns wird gebrüllt. Die Abende und Nächte sind angefüllt mit Schreien und Weinen und nur Mama kann es richten. Kein Schlafen ohne Mama oder Papa. An manchen Abenden will er erst so spät schlafen, dass wir dann mit ihm gemeinsam schlafen gehen. Ganz ehrlich, sehr oft bin ich schon ewig vor ihm bereit zum Schlafen. Der Grund dafür ist, dass ich keine Nacht, mehr als vier Stunden Schlaf bekomme.
Durch das Zahnen möchte er sehr oft an die Brust und die Beikost wird nicht selten verweigert, oder es wird nur kurz daran geknabbert.
Das Wickeln ist seit Monaten ein Drama, in unendlich vielen Akten, wenn es ihm nicht gut geht, hilft keine Ablenkung, kein Singen, keine Fingerpuppen und keine Cremedose.
Auf Toilette gehen ist ein Krampf, er will mit und hängt die ganze Zeit an mir.
Ich könnte noch unendlich viele Situationen aufzählen, die unser momentanes Leben zu einem Kampf machen, an den Nerven zerren und mich immer wieder an mir zweifeln lassen.
Mein Streben bei alledem ist, wie kann ich es Schmatzipuffer so angenehm wie möglich machen, wie ist es für ihn am besten.

Sein weinen und motzen sind für mich nur schwer zu ertragen. Es tut mir wahnsinnig weh und ist ein physischer Schmerz, bei dem mein Herz weh tut und sich meine Atmung verkrampft.

Dazu kommt eine schreckliche Wut, ich fühle mich hilflos, machtlos, einer Situation ausgeliefert, die ungerecht und unabänderlich ist.

Und so versuche ich ihm alles recht zu machen, um diese Momente zu vermeiden.

Aber mittlerweile ist er in einem Alter, indem neben seinen Grundbedürfnissen, auch Wünsche existieren. Wünsche, die nicht unmittelbar und unbedingt erfüllt werden müssen.

Diese Wünsche muss ich klar von Bedürfnissen trennen, denn es schleicht sich immer mehr ein, dass sich alles nur um ihn drehte. An vielen Tagen lief ich mittags noch im Schlafanzug herum, ungewaschen, nicht geduscht und ohne mir meine Zähne geputzt zu haben. Für einiges brauche ich nunmal einfach meine Arme, meine Hände, aber die brauchte ja mein Schmatzipuffer. Vieles lässt sich erledigen, wenn er im Tuch ist, aber Anziehen und Haare waschen ist so nicht drin.
Mein Tag wurde komplett von meinem Kind bestimmt, 24 Stunden keine Auszeit, keine Pause.

Wenn das Kind selbstbestimmt wachsen darf | Eine Entscheidung

Ich gab mich selbst für ihn auf und dann kam der Tag an dem mein Selbst streikte und in meinem Inneren laut um Gehör schrie. Ich konnte nur noch Weinen und Schmatzipuffers Nähe, war für mich unerträglich.

Für einen kurzen Moment, konnte ihn nicht hochnehmen, nicht einmal mehr ansehen, oder ansprechen. Er verstand die Welt nicht mehr, völlig verständlich und zu recht, weinte er bitterlich. Aber ich konnte daran nichts ändern. Mein Selbst hielt mich gefangen und schrie nach Luft und Raum zum Atmen.

Ich rief meinen Mann an, er musste alles stehen und liegen lassen und nach Hause kommen. Meine Verzweiflung und Not waren so groß, dass mir die Konsequenzen egal waren.
Ich wusste nur eins, wenn er nicht nach Hause kommt, passiert vielleicht etwas, denn meine emotionale Kontrolle, meine Nerven, mein Selbst, waren verloren. Ich musste aus dieser Situation heraus.

Zum Glück funktionierte mein Verstand, mein Kopf war Herr über meine Gefühle und verhinderte Schlimmeres. Mein Kopf entschied richtig!

Ich nahm Schmatzipuffer ins Tuch und ging mit ihm Spazieren, bis mein Mann nach Hause kam. Jedoch, dass der Kopf über die eigenen Emotionen herrscht, ist ein unheimlich, Kräfte zerrender Zustand und keine Dauerlösung für das grundlegende Problem.

Hier sitze ich nun und frage mich Wie es jetzt weitergeht. Ich weiß es noch nicht, aber es muss sich etwas ändern! Ich liebe mein Kind über alles und möchte nur das Beste für ihn. ABER!

Es kann nicht richtig sein, eine Selbstbestimmung für eine andere zu opfern. Wir müssen einen Weg der Koexistenz, für unser beider Selbst finden.

Meine lieben Leser, ich weiß noch nicht in welchem Umfang ich meinen Blog in dieser Phase des Findens weiterführen kann, aber ich werde weiterschreiben. Er ist ein letztes Stück von mir, das noch nicht verschwunden ist und so ist er mein Rettungsanker, der mein Selbst vor dem Ertrinken bewahrt. Und so danke ich Euch allen dafür! <3

 

Ich hoffe bis bald, Eure

Kathi

Dieser Beitrag nimmt an der Aktion #MeibestElternblogbeitragdeMo von der lieben Anja und ihrem Blog Kellerbande teil.

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