Geliebtes Kind Motzibacke

Mein Wendepunkt | Inspiriert von der eigenen Kindheit

Die liebe Tanja, hat auf ihrem Blog Herzbauchwerk, zur Blogparade aufgerufen. Ich bin ein großer Fan ihrer wunderbaren Texte und so konnte ich nicht widerstehen. Das Thema ist Mein Wendepunkt.

Ich muss zugeben es gab in meinem Leben schon mehrere Wendepunkte, aber nur einen, der sich über 9 Monate hinzog und mein komplettes Leben auf den Kopf stellte. Und so möchte ich Euch über den, zeitlich längsten Wendepunkt, meines Lebens berichten.

 

Wendepunkt | Was bedeutet das?

 

Wendepunkt = Zeitpunkt zu dem eine Wende eintritt

Wendepunkt! Ein so wahnsinnig kraftvolles, positives und Hoffnung bringendes Wort. Unser Leben ist voll von Wendepunkten, wir finden sie nicht nur in uns, persönlich, sondern überall auf der Welt. Ob in der Mathematik, bei der Kurvendiskussion, in der Literatur,“ the point of no return“, ein dramatischer Wendepunkt und in der Musik, denn die wundervollsten Stücke sind voll von Wendepunkten.

Sie sind Teil unseres Lebens und machen unser Leben erst Lebenswert, denn es ist nicht konstant, nicht starr. Es ist voller Änderungen und Wendungen, und diese formen uns, machen uns zu dem Menschen, der wir sind und bewahren uns vor der Langeweile und der völligen Banalität eines Lebens ohne Höhepunkte, ohne Überraschung und ohne Veränderung.

Ich habe in meinem Leben bereits viele Wendungen durchlebt, einige waren negativ, aber die meisten positiv und für mich zufriedenstellend. Einer der größten Wendepunkte war meine Geburt als Mutter, und diese Geburt fand statt, bevor Schmatzipuffer auf die Welt kam. Diese Wendung begann mit dem positiven Schwangerschaftstest und endete mit seiner Geburt.

Ich verwandelte mich in dieser Zeit sehr, meine Prioritäten, meine Vorstellungen vom Leben, meine Wünsche und Träume unterlagen einem Wandel.

Als wir beschlossen eine Familie zu werden, war meine Vorstellung vom Leben mit Kind eine völlig andere. Sie war geprägt von meiner eigenen Kindheit, den Medien und den ein, zwei Freundinnen die bereits Mütter waren. Ich selber hatte mich mit diesem Thema nie beschäftigt und so dachte ich, wie die allgemein gängige Vorstellung vom Leben mit Kind nun mal ist. Schlafen im Kinderbett, mit spätestens 6 Monaten Brei, Kinderwagen, usw. Ich hatte vor Schmatzipuffers Geburt einen Kinderwagen, aber kein Tragetuch. Ich musste Lachen, während ich diesen Satz schrieb, denn Schmatzipuffer hasste den Kinderwagen, er brauchte zum glücklich sein, seine Mama, Mamas Nähe und das am liebsten im Tragetuch. Er wurde die ersten sechs Monate fast ausschließlich getragen. Er konnte nur beim Tragen im Arm oder im Tuch einschlafen. Letztendlich verlief also alles völlig anders, als ich es mir vor dem positiven Schwangerschaftstest vorgestellt habe.

Und wieso kam es so? Der Grund war die Schwangerschaft und wie das in mir wachsende Leben alles verändert hat.

 

Wendepunkt | Recherchieren bis zu Umfallen

Sehr zur Belustigung meines Mannes, verbrachte ich die halbe Schwangerschaft im Netz auf der Suche nach den für uns besten Weg und wie unser Kind aufzuwachsen sollte. Ab der 20 Schwangerschaftswoche hatte ich immer wieder, mit teilweise Muttermund wirksamen Vorwehen zu kämpfen, deshalb lag ich oft auf der Couch und wäre ohne meine Recherchen vor Langeweile, und Sorge um mein ungeborenes Kind durchgedreht.

Je länger ich recherchierte umso klarer wurde mir, dass ich für, damals noch Krümel ein völlig anderes Aufwachsen wollte, als ich, oder mein Mann es erlebt haben. Während ich darüber nachdachte wie unser Leben mit Kind sein sollte, durchlebte ich meine eigene Kindheit noch einmal!

Ich konnte mich intensiv mit meiner eigenen Kindheit auseinandersetzen, und sie aus einem völlig neuem Blickwinkel betrachten.

 

Wendepunkt | Die eigene Kindheit aufarbeiten

An dieser Stelle möchte ich als aller erstes festhalten, dass ich meine Eltern liebe und sie mir eine wunderschöne und sichere Kindheit ermöglicht haben. Sie haben mich in meinen Träumen und Zielen, so gut sie konnten unterstützt und lieben mich und meinen Bruder über alles. Aber das Leben hat ihnen Grenzen gesetzt, Grenzen im Umgang und Leben mit Kindern. Grenzen, die sie nicht überschreiten konnten, weil es die starre Gesellschaft der DDR, einfach nicht zuließ.

Meine Mutter war fast alleinerziehend, da mein Vater sehr viel unterwegs war, und hat Vollzeit gearbeitet. Es ging damals nicht anders, aber meine Mutter hat alles gegeben was sie konnte.

Und da ist der Knackpunkt, das war es nicht was ich wollte. Ich wollte die Zeit, in der mein Kind bei mir ist, mich braucht und aufwächst nicht davon bestimmen lassen, wie es in mein Leben passt, oder wie es die Gesellschaft erwartet, sondern wie es für uns alle am besten ist.

Mir fielen immer mehr Erinnerungen ein, wo ich mich als Kind nicht wohl gefühlt habe und die auch nachhaltig mein Leben geprägt haben.

Ich war lange Zeit ein sehr schüchterner und in mich gekehrter Mensch. Ich fühlte mich nur unter bekannten Menschen, die ich mochte richtig wohl.

Mein Leben, mein Studium, meine Nebenjobs und das kennenlernen einiger bestimmter Menschen, haben dies später verändert. Aber während ich in meinen Zwanzigern steckte, war ich sehr zurückhaltend und schüchtern, lief nur schwarz gekleidet durch die Gegend und hörte Gothic, Mittelaltermusik und Metall. Der Musik Geschmack ist ein wenig geblieben, hat sich aber um viele Musikrichtungen erweitert. Jazz, Klassik und auch Folk, dafür nur noch selten Gothic.

Aber zurück zu meiner Kindheit. Ich musste sehr früh in die Krippe und dann in den Kindergarten, und später, nachmittags auch in den Hort. Ich habe meine Mutter nur früh und abends, ganz kurz gesehen und da war sie verständlicher Weise, gestresst und überarbeitet, denn neben uns ins Bett bringen, musste auch der Haushalt und Papierkram geschmissen werden. Später war wohl mein Vater öfter da und brachte uns ins Bett.

Aber wir verbrachten in unserer Kindheit mehr Zeit im Kindergarten, Hort und Schule, als mit unseren Eltern.

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich das als Kind fand. Ich mochte es überhaupt nicht. Ich war immer die letzte die aus dem Hort abgeholt wurde, das war einfach nur schrecklich. Ich war eifersüchtig auf jedes Kind, was früher abgeholt wurde und war darüber sehr traurig.

Als ich älter wurde durfte ich nach der Schule nach Hause gehen. Ich weiß nicht mehr genau welche Klasse ich da war, aber jedenfalls noch in der Grundschule. Jetzt könnte man meinen, dass wir im Haushalt mithelfen durften um meine Mutter zu entlasten, aber weit gefehlt. Meine Mutter war immer sehr ängstlich und hatte Horrorszenarien in Kopf, wir würden etwas kaputt machen, oder die Wohnung in Brand stecken. Mein Bruder durfte den Müll runterbringen und ich beim Einkaufen helfen. Fertig.

Wir durften nicht kochen, nicht backen, auch nicht dabei helfen. Wir störten dabei, es dauerte mit Kinderhänden länger und dafür hatte meine Mutter keine Zeit. Und alleine schon mal gar nicht, wir sind ja noch zu jung gewesen und das ist viel zu gefährlich. Und Wäsche waschen war auch nicht drin. Wir könnten die Waschmaschine ja demolieren, die Wäsche versauen und ja, wir sind dafür ja noch viel zu jung. Wäsche aufhängen war auch nicht möglich, das war Papas einzige Aufgabe. Und wozu hat das geführt?

Ich fühlte mich nutzlos, ausgegrenzt, klein und ich konnte nicht so richtig selbstständig werden. Das schlimmste war wirklich das Gefühl, für nichts gut zu sein, nichts zu können, nicht gebraucht zu werden. Dieser Sachverhalt, hatte einen großen Anteil an der von mir entwickelten Schüchternheit und der fehlenden Selbstliebe.

Für mich stand also recht schnell fest, das möchte ich nicht für mein Kind. Es soll selbstbestimmt wachsen und lernen dürfen. Ein Gefühl von Zugehörigkeit und Selbstliebe entwickeln dürfen. Ein Teil der Familie sein dürfen, in allen Bereichen. Er soll aktiv mitentscheiden dürfen. Und so war in meinem Kopf über die Schwangerschaft hinweg ein Bild von unserem Leben mit Kind entstanden und wie Krümel bei uns wachsen darf.

Das zwischen Vorstellung und Realität oft ein weiter Unterschied liegt, durfte ich jüngst erleben, wenn das eigene Kind selbstbestimmt wachsen darf, wirft das auch Probleme auf. Dies führte mich zu einem weiteren kleinen Wendepunkt, denn mein Kind soll nicht nur lernen sich selbst zu achten und zu lieben, sondern auch anderen Menschen mit Respekt und Liebe begegnen. Ich bin gespannt welche Wendepunkte mein Leben noch für mich bereit hält und ob ich sie erkenne und positiv nutzen werde. Ich bin mir sicher, dass sie mein Leben bereichern, gestalten und in neue Richtungen lenken werden.

Der nächste Beitrag zur Blogparade kommt von Ilaina und ihrem Blog meinachtsamesleben.com. Sie verrät uns, welcher WendePunkt ihr wertvollster ist.

Dieser Beitrag ist ein #Herzpost. Mehr davon gibt es bei Verflixter Alltag.

 

Bis bald, Eure

Kathi

 

 

 

 

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