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Gastartikel: Zweites Kind – Meine Erfahrungen | Teil 2

Man sollte meinen, das eine Geburt mit Gebärmutterruptur (Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 1.Teil) genug Schmerz und Leid für zwei Leben gebracht hat und darauf eine positive und leichte Zeit folgt. So war es bei Rini, vom Blog Riniswollkiste leider nicht, denn auch ihre ersten Tage im Wochenbett waren unsagbar schwer. Der zweite Teil von Rini‘s Gastartikel. Vielen Dank für deinen mutigen Artikel, mit dem du uns an deinem Schicksal teilhaben lässt. Der zweite Teil, beginnt direkt nach der Geburt, von Rinis zweitem Kind…

Bis bald, Eure

Kathi


 

…Endlich waren sie mit mir fertig und ich wurde mit meinem Bett in den Aufwachraum geschoben. Dort wurden noch ein paar Dinge kontrolliert und danach kam der Moment, der bei meiner Großen nicht klappte:

Mir wurde meine Kleine auf die Brust gelegt und ich durfte sie zum ersten Mal stillen. Sie trank sofort, als ob sie es schon immer getan hätte. Von dem Moment an, waren wir für immer zusammen.

Mein Mann blieb eine Weile bei mir, ehe er sich verabschiedete. Am Nachmittag überraschten meine Mama, mein Mann und meine Große mich. Sie kamen und meine Große lernte ihre Schwester kennen. Da wir beide noch immer eine starke Bindung hatten, weinte sie zunächst, da ich sie nicht in den Arm nehmen konnte. Ich war zu schwach dafür…Hatte unfassbare Schmerzen…Aber ich war so glücklich, als ich meine kleine Familie beobachtete. Am nächsten Tag kamen sie wieder. Dieses Mal hatte die Große gute Laune und saß bei mir auf dem Bett.

Ich hatte sie so sehr vermisst! Nach fast zwei Jahren plötzlich ohne sie zu sein, war extrem merkwürdig und brutal. Sie ist und bleibt mein großer Schatz!

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Nachwehen oder Komplikationen auf Grund der Gebärmutterruptur?

Anders, als ich dachte, ging es mir recht gut. Doch abends, während meiner Lieblingsserie ging es los…Ich hatte wahnsinnig heftige Schmerzen. Konnte GZSZ kaum verfolgen…Nebenbei schrieb ich mit meinem Mann bei WhatsApp und berichtete ihm davon. Er machte sich Sorgen und riet mir, nach einer Schwester zu klingeln. Nach 1-2 weiteren heftigen Schmerz-Attacken klingelte ich. Die Schwester kam und gab mir ein Schmerzmittel. Nach endlosen Minuten klingelte ich erneut, da das Schmerzmittel nicht wirkte.

Daraufhin wurde ich darauf hingewiesen, dass dies Nachwehen wären und diese normal seien. Ich solle nun schlafen und dann dürfte ich später auch wieder Schmerzmittel nehmen.

Ich versuchte zu schlafen. Die Schmerzen waren jedoch so stark, dass ich nicht schlafen konnte.

Wieder klingelte ich und endlich wurde ich untersucht. Man fand jedoch nichts und meine erneuten Klingelrufe, wurden genervt abgewunken, da ja nichts gefunden wurde.

Irgendwann schlief ich erschöpft ein…Aber nach wenigen Stunden wachte ich wieder mit höllischen Schmerzen auf. Sie waren nicht mehr so extrem wie in der Nacht. Als ich auf Klo gehen wollte, wurde mir schummrig und ich klingelte nach einer Schwester. Die Schwester kam und gab mir zu verstehen, dass es komisch sei, dass ich nun auf einmal Hilfe für den Klo- Gang bräuchte, denn gestern konnte ich das doch alleine…

 

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Schlechte Betreuung, nach einer Gebärmutterruptur!

Den ganzen Tag über ging dies so weiter. Während die Schwester der Nachtschicht sehr nett zu mir war, kam danach ein wahrer Drachen zu mir.

Dieser stauchte mich zusammen, dass ich nicht so hyperventilieren und mich gefälligst zusammenreißen sollte. Schließlich hätte sie auch schon einen Kaiserschnitt gehabt und da hat man Schmerzen! Der Schwindel beim Aufstehen und Gehen sei von mir selbst herbeigerufen, da ich mich reinsteige und mich zu wenig bewege.

Acht Mal kippte ich beinah um! Ich flehte die Schwester an, mich zu untersuchen und ernst zu nehmen! Nichts geschah…

Stattdessen bekam ich eine salzige Brühe und Tee mit Zucker für den Kreislauf. Mittlerweile glaubte ich der Schwester.

Immer wieder versuchte ich kleine Kreislaufübungen und setzte mich auf die Bettkante, um mich hinzustellen…ein wenig umherzulaufen.

Plötzlich klang es in meinen Ohren so, als ob ich im Badezimmer stünde und jemand, direkt neben mir duscht. Es duschte aber niemand!

Dazu kam noch ein ganz starker Schwindel. Mir sackten meine Beine weg, ohne dass ich irgendetwas tun konnte. Zum Glück war das Bett direkt hinter mir…So fiel ich lediglich, unsanft auf das Bett.

Ich konnte nicht mehr, hatte Angst, aber niemand glaubte mir!

Als meine Frauenärztin mich besuchte, bekam sie einen riesigen Schreck. Sie meinte, ich wäre extrem blass und wollte wissen, wie es mir ginge. Ich berichtete ihr von meinen Kreislaufproblemen und den stechenden Schmerzen. Dies machte ihr sehr große Sorgen.

Es wurde noch schlimmer, als sie mich fragte, wie viel ich denn heute getrunken hätte und wie oft ich auf Klo war. Zu meiner eigenen Verwunderung konnte ich ihr sagen, dass ich schon mindestens 2,5 Liter getrunken hätte und aber das letzte Mal vor 4 Stunden auf Klo war.

Sie sah mich ernst an…Fragte, ob ich denn keinen Druck verspüre? Ich verneinte…irgendwie war ich sehr ruhig…Nichts von ihren Fragen beunruhigte mich. Sie wurde aber hektischer und versprach mir, dass sie eine weitere Untersuchung veranlassen wird.

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Gebärmutterruptur und Nachbehandlung durch unqualifiziertes Personal!

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich untersucht und wieder sagten sie, dass da nichts wäre. Meine Frauenärztin sah jedoch, dass da sehr viel getrocknetes Blut in meinem Bauch war. Sie sagte dies der Assistenzärztin, welche zugab, dieses nicht zu sehen.

Meine Frauenärztin pochte darauf, dass eine richtige Ärztin sich das noch einmal anschauen sollte. Wieder verging wertvolle Zeit, ehe eine Belegärztin kam.

Auf einmal wurde es sehr hektisch. Mir wurde erklärt, dass ich nun operiert werden muss. Sie hatten mir auch Blut abgenommen und den Hb-Wert bestimmt, dieser betrug gerade mal 6. Normal ist ein Wert zwischen 12-18…OK nach einer Geburt kann er auch bei 10 liegen.

Ich hatte eine Nachblutung vom Kaiserschnitt. Es handelte sich um einen 1 Liter großen Blutkoagel in meinem Bauch. Ich drohte innerlich zu verbluten.

Ich fühlte mich extrem merkwürdig…Stand völlig neben mir. Aber an eine Sache konnte ich nicht aufhören zu denken: Meine kleine Familie.

Ich hatte Todesangst! Was würde passieren, wenn ich nicht mehr da bin? Schmerzen oder Angst vor der OP waren nicht mein Problem. Ich hatte Angst, dass es zu spät sei. …dass mein Mann mit meinen wundervollen Mädchen alleine sein wird. Ich wollte nicht, meine kleine süße Tochter verlassen! Sie war doch noch so jung, komplett von mir abhängig und liebte mich und ich sie! Dann war da auch noch meine Große…Sie würde es nicht verstehen. Sie würde weinen. Nicht einmal ihr Tuch oder Nestchen könnten sie beruhigen! Sie würde mit ihren erwartungsvollen Augen nach mir suchen und laut: „Maaamaaa!“ rufen.

Und zu guter Letzt dachte ich an meinen Mann. Meinen wundervollen Mann, der mich seit 9 Jahren glücklich macht. Mein wundervoller Mann, der nun um mich bangen muss! Er wollte doch nur seine kleine Tochter und mich besuchen. Er sollte doch nun voller Glück mit mir, unser Baby genießen!

Nein! Ich konnte nicht sterben! Nein! Ich werde überleben!

Dann wurde es schwarz. Ich war weg…anders als bei den beiden Geburten bestand ich auf eine Vollnarkose. Ich wollte nichts mehr mitbekommen.

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Gebärmutterruptur, erneute OP und eine Ewigkeit ohne mein Baby

Es folgten die schlimmsten Stunden meines Lebens! Ich war wach…wenige Tage nach der Geburt, aber mein Baby war nicht da! Sie lag nicht neben mir…Ich war von ihr getrennt.

Dabei liebte ich sie doch so sehr!

Ich musste ganz genau überwacht werden. Deswegen war ich auf der Intensivstation. Zuerst wollten sie mich nur ein paar Stunden beobachten, aber dann wurde es die ganze Nacht. Ich musste mithilfe einer Schwester abpumpen und die Milch wegkippen, da ich zu starke Medikamente bekam.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam meine Kleine endlich zu mir und ich durfte wieder stillen. Sie wurde mir auf die Brust gelegt und wir beide schliefen friedlich zusammen ein. Es war unbeschreiblich schön, sie wiederzusehen.

Am nächsten Tag ging es mir viel besser und von nun an hörten die Schwestern und Ärzte auf jedes noch so kleine erwähnte Ziepen von mir. Bis zu meiner Entlassung gab es keine Zwischenfälle mehr. Somit freute ich mich riesig, wieder nach Hause zu fahren. Meine Mutter holte uns ab. Es war toll! Trotz meiner starken Schmerzen war ich glücklich, in mein neues Leben als Zweifach-Mami zu starten.

 

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Die Folgen der Gebärmutterruptur und der inneren Blutung, nach der Geburt!

Nun sind über fünf Monate vergangen. Zwischenzeitlich hatte ich wiederholt Todesangst.

Bei jeder noch so kleinen Schmerzattacke lief bzw. läuft bei mir ein Film ab.

Ich kann die OP-Luft und das Krankenhaus dann bereits riechen. Denke an mein kurzes aber schönes Leben und zittere innerlich, ob es jetzt wirklich Alarm ist oder ich doch lieber einfach nur eine „Ibu“ nehmen sollte. Vor ein paar Wochen war wieder ein Arzttermin aufgrund meiner Schmerzen. Mein HB ist nun bei gesunden 12,4 und sonst sieht es ganz gut aus. Um eine weitere Absicherung zu haben, werde ich im September weitere Diagnostik in Angriff nehmen. Dann habe ich hoffentlich endlich Gewissheit, dass alles ok ist.

Durch diese gesundheitliche Geschichte habe ich eine Kluft zwischen meiner Großen und mir aufgebaut. Ich konnte sie lange nicht heben, konnte kaum mit ihr auf dem Boden spielen…Ich war sehr erschöpft.

Ein kleines Mädchen von 20 Monaten versteht so etwas nicht. Sie sieht, was ich alles nicht mit ihr mache und ist traurig.

Mein Mann ist nun ihr Held. Er wird gesucht, wenn er mal kurz den Müll rausbringt. Er wird gesucht, wenn sie sich verletzt hat. Früher war ich das…Sie ist nun schon 25 Monate alt…

Dennoch bin ich nicht mehr ihre Nummer 1. Anfangs tat es extrem weh, wie sich die Zeit geändert hat. Sie kuschelt nicht mehr mit mir…, sondern mit ihrem Papa. Ich weiß, dass meine Große mich lieb hat…sogar sehr.

Ich kann nun auch wieder mehr Sachen mit ihr machen. Wir malen gerne und viel zusammen. Außerdem kann ich sie wieder heben. J So eine Bindung, wie wir sie früher hatten, wird es wohl nicht wiedergeben.

Aber wer weiß, ob sie nicht von Anfang an eher ein Papa-Kind war? Vielleicht interpretier ich auch zu viel hinein. Es ist, wie es ist.

 

Zweites Kind – Meine Erfahrungen, 2. Teil | Ein Happy End, trotz Gebärmutterruptur und Komplikationen im Wochenbett?

Ich habe sie ganz doll lieb! Meine beiden kleinen Töchter! Nie und nimmer würde ich irgendetwas anders machen!

Trotz all meiner Entbehrungen und Schmerzen werde ich mir nichts rückgängig wünschen. Die beiden sind super niedlich zusammen. Die Große küsst mittlerweile die Kleine und reicht ihr Spielsachen. Die Kleine schaut ihre Schwester immer wieder bewundernd an. Sie schaut richtig zu ihr auf. Wenn ich mir die beiden ansehe, bin ich glücklich!

Es ist mir egal, dass ich noch immer Schmerzen habe! Egal, dass ich nie wieder schwanger sein kann!

Es wird mir aber niemals egal sein, dass die beiden mein Leben so unfassbar auf den Kopf gestellt haben. Die beiden bringen meinen Mann und mich um den Schlaf, sorgen für ohrenbetäubenden Lärm, lassen mich meine Serie nicht immer gucken und hindern mich am Stricken/Häkeln.

Meine beiden Kinder, sind das Beste, was uns je passiert ist, denn beiden bringen so viel Freude in mein Leben, dass ich täglich über mich hinauswachse!

Sie sind so wertvoll und zeigen uns, wie sehr sie uns lieben! Kinderlachen ist die beste Medizin der Welt!

Eure Rini

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