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Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft | Ist eine selbstbestimmte Vorsorge möglich?

Bereits bei meiner ersten Schwangerschaft, setzte ich auf eine geteilte Vorsorge zwischen Frauenarzt und Hebamme. Ich empfand die Arztbesuche im 3.Trimester jedoch als wenig hilfreich, die zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen brachten nicht wirklich Erkenntnisse, viel mehr verunsicherten sie mich. Ungefähre Größen und Gewichtsangaben, die nicht mehr als Schätzungen waren, aber bei mir Sorgen vor der Geburt auslösten. Mir war daher bei meiner zweiten Schwangerschaft schnell klar, dass ich die letzten Vorsorgeuntersuchungen nur noch von meiner Hebamme durchführen lassen wollte und da mein Frauenarzt der geteilten Vorsorge bis jetzt so offen gegenüberstand rechnete ich eigentlich nicht mit Problemen. Nun, da hatte ich mich leider geirrt.

Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft | Gesetzliche Grundlagen

Ich möchte euch noch kurz einen Überblick über die aktuellen geltenden Bestimmungen geben.

Bei uns in Deutschland ist eine Hebamme dazu berechtigt alle Vorsorgeuntersuchungen durchzufuhren, nur die drei Vorsorge – Ultraschalluntersuchungen und die Ultraschalluntersuchung am Geburtstermin, müssen von einem Gynäkologen durchgeführt werden. (Deutscher Hebammenverband, 2013)

Der Gynäkologe kann bei einer geteilten Vorsorge jede Ultraschalluntersuchung und auch die Pauschale für jedes Quartal in dem eine Vorsorgeuntersuchung stattfindet abrechnen. Bedeutet also, dass ihm eigentlich keinerlei finanzielle Einbußen durch eine geteilte Vorsorge entstehen, denn die Ultraschalluntersuchungen liegen so, dass er seine Patientin über die gesamte Schwangerschaft mindestens einmal pro Quartal im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sieht. (Deutscher Hebammenverband, 2013)

Trotz allem gibt es Probleme und immer wieder, werden Frauen in ihrer Wahl, nach der für sie passenden Vorsorgeuntersuchung eingeschränkt und unter Druck gesetzt. Auch mir erging es ähnlich, ich wurde von meinem Gynäkologen belogen und emotional unter Druck gesetzt.

Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft | Aber nicht nur die vorgeschriebenen Ultraschalluntersuchungen!

Wie schon erwähnt, steht mein Frauenarzt, der geteilten Vorsorge aufgeschlossen gegenüber, aber nur in Grenzen!

Ich habe mir in dieser Schwangerschaft, sehr früh eine Hebamme gesucht und mich damit auch für den Geburtsort entschieden. Ich wollte meine Hebamme genau kennenlernen und eine Bindung zu ihr Aufbauen. Deshalb entschied ich mich für ein Hebammen-Team, zwei Hebammen, im Geburtshaus am Treptower Park. Ein Hebammen-Team hat den Vorteil, dass immer eine der Hebammen erreichbar ist. Es passiert also nicht, dass du während der Geburt einer dir unbekannten Hebamme gegenüberstehst, deren Ansichten du nicht kennst und zu der du keinerlei Vertrauensverhältnis aufgebaut hast.

Da ich beide Hebammen, vor der Geburt möglichst gut kennenlernen möchte, wollte ich die Vorsorge im 3.Trimester nur noch von meinen Hebammen durchführen lassen und erst wieder zur Ultraschalluntersuchung am Geburtstermin zu meiner Frauenärztin gehen. Also unterbreitete ich meinem Arzt bei der letzten Vorsorgeuntersuchung meine Bitte.

Das folgende Gespräch verlief nicht schön, ich wurde belogen und mental unter Druck gesetzt. Am Ende des Gespräches war mir klar, eine geteilte Vorsorge ist für meinen Arzt solange akzeptabel, wie es keine finanziellen Einbußen bedeutete und er SEINEN festgelegten Behandlungsplan durchziehen konnte. Hier stand nicht das wohl von mir und meinem ungeborenen Kind im Vordergrund, sondern ein kalter, rein finanzieller Aspekt. Der Arzt konnte für mich zwar die Quartals-Pauschale, für dieses Quartal und mein letztes Schwangerschaftsdrittel abrechnen, aber scheinbar möchte er nicht auf die zusätzlichen Abrechnungen, der einzelnen Behandlungen, bei den noch folgenden Vorsorgeuntersuchungen verzichten.

Mein Vertrauen und die bisher aufgebaute Beziehung zum Arzt ist verloren. Die noch folgenden Termine werden kalt, emotionslos und Pflichttermine sein. Dieser Arzt respektiert weder mich, noch meine Wünsche, noch mein ungeborenes Kind. Ich bin als Mensch völlig nebensächlich und seiner Bevormundung ausgesetzt. Ein schreckliches Gefühl!

Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft | Selbstbestimmung bei den Vorsorgeuntersuchungen

Nach dem Gespräch war ich sehr niedergeschlagen, frustriert und geknickt. Mir wurde klar, das obwohl es mittlerweile die nötigen gesetzlichen Grundlagen, für eine selbstbestimmte Vorsorge während einer Schwangerschaft gibt, es trotzdem noch abhängig vom behandelnden Arzt ist, wie die Schwangerschaftsvorsorge abläuft.

Solange für einige Gynäkologen der finanzielle Aspekt, vor der Entscheidungsfreiheit der Schwangeren steht, ihre Wünsche nicht respektiert und geachtet werden und es auf Grund von fehlender, oder falscher Informationen zu keiner freien Wahlmöglichkeit kommt, solange wird eine selbstbestimmte Vorsorge, trotz gegebener gesetzlicher Rahmenbedingungen nicht möglich sein.

Für mich, ist es für einen Gynäkologen Wechsel zu spät, das Quartal und letzte Schwangerschaftsdrittel hat bereits begonnen. Mir ist es ist daher nicht mehr möglich einen anderen Frauenarzt zu finden. Es gäbe noch die Möglichkeit, den Ultraschall am Geburtstermin im Krankenhaus durchführen zu lassen, aber bei dem Gedanken, dass letzte Schwangerschaftsdrittel ohne Gynäkologen zu bestreiten ist mir auch nicht wohl. Es kann nach wie vor zu Komplikationen kommen, die einen Gynäkologen erfordern. Und so entschied ich mich, für mein ungeborenes Kind, gegen die Aufhebung meiner Gynäkologen-Patienten Beziehung. Obwohl das Wort Beziehung, hier alles andere als zutreffend ist.

Mir wird somit leider die Möglichkeit genommen, mich zu wehren!

Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft | Was kann ich als Schwangere tun!

Aber hingenommen werden muss solch ein Verhalten nicht. Ein Arztwechsel während der Schwangerschaft ist rechtens und am günstigsten zum Ende eines Quartals. Des Weiteren kann die Weigerung eines Arztes zur geteilten Vorsorge bei der kassenärztlichen Vereinigung angezeigt werden, denn dieses Verhalten ist gesetzwidrig und kann ihn seine Zulassung kosten! (BfHD, 2017)

Ich wurde von meinem Frauenarzt getäuscht und habe so erst zu spät gehandelt. Bei meiner nächsten Schwangerschaft würde ich anders vorgehen und bereits zu Beginn mit meinem Arzt, den Ablauf der Schwangerschaftsvorsorge festlegen und notfalls einen Arztwechsel vollziehen.

Und so versuche ich aus dem Vorfall auch positives zu ziehen. Ich lerne mit jeder Schwangerschaft dazu und hoffe das mein gesammeltes Wissen euch zu einer selbstbestimmten Vorsorge verhilft. So wird euch hoffentlich eine druckfreie Entscheidung für eure eigene Schwangerschaftsvorsorge ermöglicht.

 

Bis bald, Eure

Kathi

 

Quellenverzeichnis:

  1. [Hebammenverband, 2013] Deutscher Hebammen Verband, Schwangerenvorsorge durch Hebammen! Gynäkologen wehren sich. Es geht ums Geld. Stand: 29.01.2013, Online-Version vom 7.4.2017 auf hebammenverband.de/presse/Übersicht/kw29-2003/
  2. [BfHD, 2017] BfHD, Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V., Neues zu „geteilte Schwangerenbetreuung durch Arzt und Hebamme“. Stand: 20.01.2017, Online-Version vom 7.4.2017 auf bfhd.de
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